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Der Schwarzstorch

Von der Farbe her wohl der Gegenpol des Weißstorchs.

Der Schwarzstorch (lateinisch ciconia nigra) ist mit dem Weißstorch der wohl bekannteste Storch in Europa. Der Hauptgrund dafür ist wohl auch die Tatsache, dass er, wie sein weißer Vertreter, in Europa seine Brutgebiete findet. Denn er und der Weißstorch sind es nur, welche in europäischen Gefilden Ihre Brut aufziehen. Alle anderen Arten der Storchengattung sind auf den anderen Bereichen der Erde zu Hause.

Aussehen/Kennzeichnung

Selbst der Schwarzstorch besitzt auch weiße Teile in seinem Gefieder: an seiner Brust, seinem Bauch und an der Unterseite des hinteren Gefieders. Die Beine eines ausgewachsenen Storches sind während der Brutzeit fast ebenso rot wie die des Weißstorches Adebar. Außerhalb dieser Zeit sind sie eher in ein fahles Rot bis Braun getaucht. Die Jungtiere weisen jedoch eher eine gelb-grünliche Färbung der Beinchen auf. Auch das Gefieder färbt sich bei den Jungtieren von einem matten Anthrazit-Schwarz später zu dem charakteristischen Schwarz mit metallischem Schimmer an Ober- und Unterhals. Die metallischen Farben erstrecken sich von Grün über Purpur bis zum Kupferrot. Bei den Schnäbeln ist es ähnlich. Bei den Jungtieren ist er schwarz ehe er sich adult1 rot-braun färbt. Auch der Schnabel färbt sich neben der Augenpartie bei erwachsenen Störchen in der Paarungszeit leuchtend rot.

Verhalten

Besonders in der Zeit des Brütens ist der Schwarzstorch ein sehr territorialer Vogel. Jedoch scheint es meist nicht zu direkten Kämpfen zwischen zwei Konkurrenten zu kommen. Eher wird durch aggressive Lautausübung, durch gekonnte Revierflüge oder Flügeltanz der Konkurrent in die Flucht geschlagen.

Fortpflanzung

Der Schwarzstorch führt eine Saisonehe, welche sich auch über Jahre monogam2 verhalten kann. Meist trifft das Männchen vor dem Weibchen an der gewohnten Brutstelle ein. Es kann sogar vorkommen, dass es sogar anfängt das Nest zu bereiten. Jungvögel werden erst mit dem Erreichen des dritten Lebensjahres geschlechtsreif. Beobachtungen zeigten jedoch, dass sie sich oft noch ein weiteres Jahr länger mit der Brut Zeit ließen.

Ihre Nester bauen Sie in Bäumen oder an Felsen. Felsennester werden hierbei bevorzugterweise unter Felsvorsprüngen gebaut. Selbst ein Storch mag es, dem Wetter nicht immer schutzlos ausgesetzt sein zu müssen. Die Nestform ist eher oval statt rund. Die Größe variiert, doch erreichen sie meist stattliche Ausmaße von 1,50 m x  1,20 m mit einer Höhe von mindestens 40 cm. Gern bauen sie die Nester jedes Jahr ein wenig mehr aus. Auch wurde beobachtet, dass sich Storchenpaare Ersatznester für alle Fälle zusätzlich angelegt haben. Denn bei so einer Nestgröße kommt es wohl nicht selten vor, dass so ein Nest den Baum herunterfällt.

Lebensraum

Man muss schon das Glück auf seiner Seite haben, um dem Schwarzstorch in der Natur zu begegnen, denn sein Lebensraum sind die alten und durch ihre Vielfalt der Vegetation und der Arten bestechenden Wälder. Dies sind meist Laub- und Laubmischwälder, welche viele Lichtungen, Wasserstellen (Tümpel, Teiche) oder Flüsse aufweisen. In idealer Weise befinden sich am Waldrand feuchte Wiesen, die eine Fülle von Nahrung bieten.

Ernährung

Der Schwarzstorch ernährt sich überwiegend von Lebewesen, welche sich nicht nur im Wasser, sondern auch in den Bereichen am Wasser befinden. Hierbei handelt es sich zum größten Teil um Fische und Rundmäuler3.  Auch so genannte Wirbellose4 und Amphibien5 gehören zum Speiseplan dieser Störche. Vereinzelt gehören auch Säugetiere, wie Mäuse zu seiner Nahrung, doch hält sich dieser Nahrungsanteil sehr gering – vor allem in Betrachtung zum Weißstorch.

Auch gehören verschiedene Wasserpflanzen und Moose beim Storch immer wieder zum Nahrungsangebot. Viele Forscher vermuten deshalb, dass die Pflanzen bei der Verdauung (Bildung des Gewölles6) helfen.

An Hand des langen und spitzen Schnabels könnte man meinen, dass der Schwarzstorch seine Beute tatsächlich aufspiest. Doch dies hat mit der Realität tatsächlich nichts zu tun. Wie mit einer Pinxette greift der Storch nach seiner Beute, die er mit dem Kopf zuvorderst verschlingt. Bei größerer Nahrung nutzt er die Kraft seines Schnabels, um seine Nahrung unter Druck schluckfertig bzw. weich zu klopfen.

Flugwanderungen

Überwiegend weist der Schwarzstorch Populationen auf, welche zu den so genannten Langstreckenzieher gehören. Das sind die Störche, welche mindestens über 4.000 km zurücklegen, um in wärmeren Gefilden zu überwintern. Diese Entfernungen werden von den Brutgebieten ausgehend bis zu den Überwinterungsgebieten gemessen. Man unterscheidet Langstreckenzieher von Kurzstreckenziehern, welche dagegen bis zu 2.000 km weit fliegen, um zu überwintern. Den geringen Teil der Population bilden die so genannten Standvögel. Sie überwintern und brüten im selben Gebiet.

Die Flugwanderungen beginnen nach der Aufzucht der Brut. Zeitlich ist dies ab Mitte August bis Ende September einzuordnen.

 

1 Adult steht für "erwachsen sein".
2 Monogam bedeutet, dass ein Lebewesen nur einen Geschlechtspartner bevorzugt und keinen weiteren nebenher aufweist.
3 Rundmäuler besitzen keine Schuppen, kein Rückrat und auch keine paarig angeordneten Gliedmaßen. Ihr Maul ist in der Tat rund, mit ihm können sie sich an Steinen festsaugen. Sie erinnern auf Grund ihres Äußeres an Aale.
4 Wirbellose: Dies sind Lebewesen ohne Wirbelsäule, wie Quallen, Weichtiere oder bestimmte Wurmarten.
5 Amphibien: Diese Tiere leben meist im "Babystadium" als Larven im Wasser. Im Wasser findet dann die Metamorphose statt. In dieser Phase verändern sich die Larven, um an Land leben zu können. So haben Froschlarven im Wasser Kiemen und einen Ruderschwanz, welche sich in der Metamorphose zurückbilden. Oft sind diese Tiere wechselwarm.
6 Das Gewölle ist der unverdauliche Rest der Nahrung von Vögeln, welcher von den Vögeln (wie z. B. von Störchen, Eulen oder Greifvögeln) aus dem Magen hochgewürgt und ausgespuckt wird. Die Gewölle bestehen zum Teil aus Knochen und Fell bzw. Gefiederresten.

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