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Präimplantationsdiagnostik an Embryonen erlaubt

Verstößt ein Arzt gegen das Embryonenschutzgesetz, wenn er nach einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Methode) 1 den so entstandenen Embryon auf seine Erbanlage prüft und ihn bei positivem Befund einer genetischen Krankheitsanlage absterben lässt? Mit dieser Frage beschäftigte sich ausführlich der Bundesgerichtshof in Leipzig und kam zu dem Entschluss, dass dieses Vorgehen nicht gegen das Embryonenschutzgesetz verstößt. Präimplantationsdiagnostik (PID) sei also in diesem Kontext zulässig.

Diesem Urteil steht tatsächlich ein realer Fall gegenüber. Ein aus Berlin stammender Arzt hatte sich selbst angezeigt, um für alle Folgefälle Rechtsicherheit zu schaffen. Denn in den Jahren 2005 und 2006 hatte er selbst bei drei Paaren mit Kinderwunsch, wobei jeweils ein Partner der Paare genetisch vorbelastet war, durch In-vitro-Fertilisation 1 entstandene Embryonen genetisch getestet und nur die gesunden Embryonen den Frauen eingesetzt. Schon 2009 wurde der Arzt durch das Berliner Landgericht frei gesprochen, doch die Berliner Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass auch genetisch auffällige Embryonen erst in die Gebärmutter eingesetzt werden müssten, um sie dann abtreiben zu lassen.

Informationen zum Embryonenschutzgesetz (ESchG) vom 13. Dezember 1990 2:

Das Gesetz wurde zum Schutze ungeborenen Lebens beschlossen und beschäftigt sich mit dem Konflikt der wissenschaftlichen Forschung im Zusammenhang mit der Menschenwürde und dem Respekt vor menschlichem Leben. Das Gesetz regelt somit die Grenzen aber auch gleichzeitig den wissenschaftlichen Spielraum der Forschung. Mit ihm sollen gezielte Genmanipulationen (z. B. der Wunsch nach dem Designerbaby3 und das Klonen 4 menschlichen Erbguts) und der Verkauf von Eizellen für die Forschung unterbunden werden.

In diesem Gesetz wurde ebenso festgehalten, ab welchem Entwicklungsstadium man eine befruchtete Eizelle als Embryo bezeichnet. So darf als Embryo eine befruchtete Eizelle genannt werden, welche die Zeit von 24 Stunden nach der Kernverschmelzung überschritten hat. Denn nur dann ist sie in der Regel entwicklungsfähig. Wenn sich die befruchtete Eizelle jedoch nicht über das so genannte Einzelstadium herausentwickeln kann, wird sie nicht als Embryo bezeichnet.

Quick Info

1
In-vitro-Fertilisation (IVF):

Die lateinische Übersetzung lautet "Befruchtung im Glas". Und tatsächlich findet die Befruchtung von Eizelle und Samenzelle in einem Laborglas statt. Die befruchtete Eizelle, in der sich der Embryo entwickeln wird, wird dann der Mutter eingesetzt und ein neues Leben kann entstehen. Diese Methode wird immer dann eingesetzt, wenn es nach der "natürlichen Methode" nicht funktioniert.
2
Embryonenschutzgesetz
In Kraft getreten ist dieses Gesetz zum 01.01.1991.

3
Designerbaby:

An Hand von gezielten Genmanipulationen kann man schon heute das Geschlecht, die Augenfarbe oder die Haarfarbe des werdenden Menschen beeinflussen. Die Eltern "designen" sich somit also regelrecht Ihr Wunschbaby. In den amerikanischen Fruchtbarkeitskliniken des Dr. Jeff Steinberg würde dies bereits seit längerer Zeit in New York, Las Vegas und Los Angeles Realität sein.
4
Klonen:
Die altgriechische Übersetzung lautet "Schössling/Zweig" und bedeutet, die veranlasste Enstehung mehrerer genetisch völlig identischen Lebewesen.
Man unterscheidet z. B. in der Reproduktionsmedizin zwischen therapeutischem und dem reproduktiven Klonen.
Therapeutisch bedeutet in diesem Falle, dass der Embryo kurz nach wenigen Zellteilungen abgetötet wird und die gewonnenen Stammzellen zum Wachstum verschiedenster Gewebe stimuliert werden.
Reproduktives Klonen dient der tatsächlichen genetischen Reproduktion eines Lebewesens. Hier wird der geklonte Embryo von einer Leihmutter ausgetragen. Wie im Falle des schottischen Schafes "Dolly" sind hierfür unzählige Versuche und Embryonen notwendig, da sich die Eizellen oft nicht richtig in die Gebärmutter einnisten, die Tiere tot geboren werden oder kurz nach der Geburt sterben. Gesundgeburten sind nur im Promille- bzw. Prozent-Bereich zu verzeichnen.
Menschen wurden noch nicht geklont. Tiere dagegen schon: So wurden bereits etliche Nutztiere, wie das Hausschwein, die Hausziege, das Hausrind, die Hauskatze, das Hauskaninchen oder der koreanische Drogensuchhund, ein Windhund namens "Snuppy", geklont. Man möchte mit dem Klonen die besten genetischen Eigenschaften eines Lebewesens erhalten. Beim Rind können dies z. B. ein erhöhter Fleischanteil sein oder beim Pferd seine renommierte Leistung im Sportzirkus.

 

 

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